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Lernstrecke: Die MASTeR-Schablonen kennenlernen
MASTeR steht für Mustergültige Anforderungen – die SOPHIST Templates für Requirements. Hier lernst du alle sieben Schablonen kennen: für funktionale Anforderungen, nicht-funktionale Anforderungen und Bedingungen. Klick dich durch die Kapitel – und probier jede Schablone direkt im Baukasten aus.
Kapitel 1 Warum Schablonen? – Schöner Schreiben mit Schablone
Von den vier Haupttätigkeiten des Requirements Engineering – Ermitteln, Dokumentieren, Prüfen und Abstimmen sowie Verwalten von Anforderungen – ist besonders die Dokumentation eine Herausforderung. Eine Satzschablone sorgt dafür, dass Anforderungssätze einheitlich strukturiert sind und typische Defekte (z. B. ein fehlender Akteur) von vornherein vermieden werden.
Definition Anforderungsschablone
Eine Anforderungsschablone ist ein Bauplan, der die Struktur eines einzelnen Anforderungssatzes festlegt.
Mit den MASTeR-Schablonen wendest du implizit einige grundlegende Regeln des SOPHIST-REgelwerks an:
- Anforderungen werden stets im Aktiv geschrieben.
- Anforderungen werden stets als vollständige Sätze geschrieben.
- Anforderungen bilden Prozesse mit Hilfe von Vollverben ab.
- Für jedes Vollverb wird genau ein Anforderungssatz geschrieben.
- Die Detaillierungsmöglichkeiten des FunktionsMASTeRs helfen bei der Analyse fehlender Informationen zum Vollverb.
Auch nach Schablone geschriebene Anforderungen sind nicht völlig frei von sprachlichen Effekten (Tilgung, Verzerrung, Generalisierung). Die Schablone ist ein Werkzeug, das hilft, viele davon zu vermeiden – sie ersetzt nicht das Mitdenken. Und: Anforderungen, die für sich alleine stehen, sind nur selten eindeutig und vollständig. Mehrdeutigkeiten lösen sich häufig erst durch weitere Anforderungen oder Glossareinträge auf.
Die MASTeR-Familie besteht aus:
- einer Schablone für funktionale Anforderungen (FunktionsMASTeR) mit Detaillierungsmöglichkeiten,
- drei Schablonen für nicht-funktionale Anforderungen (Eigenschafts-, Umgebungs-, ProzessMASTeR) sowie
- drei Schablonen für Bedingungsnebensätze (Logik-, Ereignis-, ZeitraumMASTeR), die funktionale wie nicht-funktionale Anforderungen ergänzen können.
Kapitel 2 Welche Schablone brauche ich? – die Entscheidungshilfe
Beantworte ein paar kurze Fragen – und du landest bei der passenden MASTeR-Schablone. Mit direktem Absprung in den Baukasten.
Kapitel 3 FunktionsMASTeR – funktionale Anforderungen
Definition funktionale Anforderung
„Eine funktionale Anforderung ist eine Anforderung bezüglich eines Ergebnisses oder eines Verhaltens, das von einer Funktion eines Systems bereitgestellt werden soll.“ [Pohl11]
So ist der FunktionsMASTeR aufgebaut – klick auf die Positionen, um mehr zu erfahren:
• MUSS: verpflichtend in der Umsetzung. Die Abnahme kann verweigert werden, wenn das System einer MUSS-Anforderung nicht entspricht.
• SOLLTE: ein Wunsch von Stakeholder*innen – nicht verpflichtend, aber die Umsetzung erhöht die Zufriedenheit.
• WIRD: dokumentiert die Absicht von Stakeholder*innen und bereitet eine zukünftige Integration einer Funktion vor. In der Umsetzung zu berücksichtigen, auch wenn die Realisierung zunächst nicht getestet wird.
Tipp: Halte die Bedeutung der Schlüsselwörter im Glossar deiner Spezifikation fest.
• Selbsttätige Systemaktivität (leerer Pfad): Das System startet eine Funktion automatisch und führt sie automatisch aus – ohne Benutzer*in. „Die Wetterstation muss Temperaturinformationen archivieren.“
• Benutzerinteraktion (<wem?|was?> DIE MÖGLICHKEIT BIETEN): Das System stellt einem*einer Benutzer*in eine Funktionalität zur Verfügung. Verb im Infinitiv mit ZU. „Das System muss dem Benutzer die Möglichkeit bieten, Rezepte zu ordnen.“
• Schnittstellenanforderung (FÄHIG SEIN): Der Betrachtungsgegenstand führt eine Funktion nur in Abhängigkeit der Informationsübergabe durch einen Dritten aus (Nachbar- oder Fremdsystem, nicht Benutzer*in). Verb im Infinitiv mit ZU.
Lässt sich eine Anforderung mehreren Funktionsarten zuordnen, such das Gespräch mit den relevanten Stakeholder*innen und kläre die Semantik.
▲ Klick auf eine Position der Schablone, um die Erklärung zu öffnen.
Die Wetterstation muss Temperaturinformationen archivieren.
Das System muss dem Benutzer die Möglichkeit bieten, Rezepte zu ordnen.
Sobald das Ereignis Geburtstag eintritt, muss das System dem Benutzer einen Kalendereintrag anzeigen.
Falls der Benutzer einen Termin eingibt, muss das System dem Benutzer die Möglichkeit bieten, den Termin zu speichern.
Detaillierter FunktionsMASTeR
Der detaillierte FunktionsMASTeR ist keine eigenständige Schablone – er zeigt, wie sich die letzten beiden Positionen semantisch ausführlicher beschreiben lassen:
Präzisierung des Objekts
- welche/r/s? ergänzt das Objekt um eine Eigenschaft oder einen Zustand – vorangestellt (die selektierten Kundendaten).
- wessen? konkretisiert die Rolle oder den Akteur, für den das Objekt gilt – nachgestellt (Kundendaten eines registrierten Kunden).
Konkretisierung des Verbs
- wann? – der Zeitpunkt, zu dem ein Prozess gestartet wird oder verfügbar sein soll.
- wo? – der Betrachtungsgegenstand bzw. Standort, an dem ein Prozess durchgeführt wird.
- wohin? – Fremd- oder Nachbarsysteme, mit denen das System interagiert.
- woher? – Fremd- oder Nachbarsysteme, die mit dem System agieren.
Das Bibliothekssystem muss dem Bibliothekar die Möglichkeit bieten, die selektierten Kundendaten eines registrierten Kunden auf einem Drucker zu drucken.
Warum fehlt das „wie“? Das Fragewort wie wurde bewusst nicht aufgenommen: Es würde meist nicht-funktionale Anteile in den FunktionsMASTeR integrieren. Halte funktionale und nicht-funktionale Anforderungen getrennt – z. B. in unterschiedlichen Kapiteln deines Anforderungsdokuments.
Englische Version: FunctionalMASTER
Den FunctionalMASTER gibt es als klickbare Schablone im Reiter English MASTeR – zusammen mit den englischen Versionen aller anderen Schablonen.
Kapitel 4 Nicht-funktionale Anforderungen – Eigenschafts-, Umgebungs- und ProzessMASTeR
Die Funktionen eines Systems stehen oft im Mittelpunkt – doch nicht-funktionale Anforderungen gehören in jede Spezifikation, denn sie haben großen Einfluss auf Realisierungsmöglichkeiten und Akzeptanz eines Systems. Wegen ihrer Vielfalt gibt es nicht eine, sondern drei Schablonen.
Die sechs Kategorien nicht-funktionaler Anforderungen
Technologische AnforderungenDirekter Einfluss auf die zu verwendenden Technologien. Subkategorien: Systemumwelt (Temperatur, Feuchtigkeit, Stromversorgung …), Mengengerüst (Benutzeranzahl, Speicherplatz …), Schnittstellen (mechanisch oder softwarespezifisch), Vorgaben an Komponenten.
QualitätsanforderungenAngaben über die Güte des Produkts, des Prozesses oder der beteiligten Personen: Änderbarkeit, Benutzbarkeit, Effizienz, Funktionalität, Übertragbarkeit, Zuverlässigkeit.
BenutzungsoberflächeVisuelles, akustisches oder haptisches Erscheinen und Bedienung des Systems: Bedienkonzepte, Rahmenbedingungen für die Gestaltung, Bedienelemente.
Sonstige LieferbestandteileAlles, was während der Entwicklung mit erstellt werden muss: Handbücher, Dokumentationen, Schulungsunterlagen, Installationssoftware, Montagewerkzeuge.
Durchzuführende TätigkeitenProjektprozesse: wie das Produkt zu entwickeln, einzuführen oder zu betreiben ist – meist im Projekthandbuch oder in Vereinbarungen dokumentiert.
Rechtlich-vertragliche AnforderungenVereinbarte Rechte und Pflichten zu Entwicklung und Verwendung des Produkts: Anforderungen an den Auftragnehmer, Kosten, Angebotsprozess, rechtliche und Übereinstimmungsanforderungen.
Welche Schablone für welche Kategorie?
| Kategorie | EigenschaftsMASTeR | UmgebungsMASTeR | ProzessMASTeR |
|---|---|---|---|
| Qualitätsanforderungen | ✕ | ||
| Technologische Anforderungen | ✕ | Umgebung, Mengengerüst | |
| Benutzungsoberfläche | ✕ | ||
| Sonstige Lieferbestandteile | ✕ | ||
| Durchzuführende Tätigkeiten | ✕ | ✕ | |
| Rechtlich-vertragliche Anforderungen | ✕ | ✕ |
Der Quasi-Alles-Könner ist der EigenschaftsMASTeR. Für Umgebungs- und Mengengerüstanforderungen gibt es den UmgebungsMASTeR trotzdem – die Anforderungen klingen mit ihm einfach besser.
EigenschaftsMASTeR
▲ Klick auf eine Position der Schablone, um die Erklärung zu öffnen.
Das Gewicht des Smartphone muss kleiner gleich 100g sein.
Die Farbe des Gehäuses des Smartphones muss weiß sein.
Das Dateiformat des Monatsreports muss PDF in der Version 1.5 sein.
Die Dauer des Einschaltvorgangs des Fernsehers muss in 40 % der Fälle maximal fünf Sekunden sein.
UmgebungsMASTeR
▲ Klick auf eine Position der Schablone, um die Erklärung zu öffnen.
Die Außenhülle des Smartphones muss so gestaltet sein, dass das Smartphone bei einer Umgebungstemperatur von -20°C bis 60°C betrieben werden kann.
Die Oberfläche des Systems muss mit Reinigungsbenzin gereinigt werden können.
Das System muss bei einer Spannung von 220 Volt – 10 Volt betrieben werden können.
ProzessMASTeR
▲ Klick auf eine Position der Schablone, um die Erklärung zu öffnen.
Der Auftragnehmer muss ein Betriebshandbuch für den MP3-Player erstellen.
Der Lieferant sollte gelagerte Ersatzteile jährlich im Juni prüfen.
Die Marketingabteilung muss einen Produktkatalog in Farbe erstellen.
Englische Versionen
PropertyMASTER, EnvironmentMASTER und ProcessMASTER findest du als klickbare Schablonen im Reiter English MASTeR.
Kapitel 5 BedingungsMASTeR – Schluss mit dem mehrdeutigen WENN
In einer Spezifikation solltest du eindeutig dokumentieren, unter welchen Voraussetzungen eine Funktion überhaupt bereitgestellt wird. Das Problem: Die in der Projektwelt sehr gern verwendete Konjunktion WENN hat laut Duden fünf verschiedene Bedeutungen – von „falls“ über „sobald“ bis „obwohl“. Diese Mehrdeutigkeit ist eine häufig unterschätzte Ursache für Fehlentwicklungen und lästigen Interpretationsspielraum beim Testen.
Wenn das Smartphone inaktiv ist, muss der Stromverbrauch des Smartphones kleiner als 50 % sein. – Was genau soll hier getestet werden? Der Moment des Zustandswechsels? Der gesamte Zeitraum?
Der BedingungsMASTeR ersetzt WENN durch drei eindeutige Konjunktionen:
FALLS → LogikMASTeRLeitet eine logische Aussage ein. Umschreibungen: für den Fall / unter der Voraussetzung, dass. Zeitform: Präsens – die logische Aussage kann nicht in der Vergangenheit stehen.
SOBALD → EreignisMASTeREin Ereignis ist die Bedingung. Synonym zu: in dem Augenblick, sofort, sowie – rückt den Zeitpunkt in den Vordergrund. Drückt Ungleichzeitigkeit aus: Erst wenn die Bedingung beendet ist, gilt der Hauptsatz. Empfohlene Zeitform: Perfekt.
SOLANGE → ZeitraumMASTeRReferiert auf einen Zeitraum (Synonym: währenddessen). Drückt Gleichzeitigkeit aus: Bedingung und Anforderungshauptsatz laufen gleichzeitig ab und enden gleichzeitig.
Bei einem Bedingungsnebensatz ändert sich die Satzstellung im Hauptsatz: Auf den Nebensatz folgt direkt das Modal- oder Hilfsverb (MUSS/SOLLTE/WIRD), dann der Betrachtungsgegenstand. Ausnahme UmgebungsMASTeR: Hier wird die Bedingung ins Satzmittelfeld eingeschoben.
LogikMASTeR – FALLS <logische Aussage>
So ist der LogikMASTeR aufgebaut – klick auf die Positionen, um mehr zu erfahren:
▲ Klick auf eine Position. Die Pfade lesen sich zeilenweise: oben der Vergleichspfad (endet auf IST), darunter die Pfade über Akteur bzw. Betrachtungsgegenstand (enden auf dem <Verb>).
Falls die Anzahl der entliehenen Leihobjekte größer 10 ist, …
Falls der Bibliothekskunde das Leihobjekt reserviert, …
Falls der Bibliothekar die Funktion Leihobjekt suchen verwendet, …
Falls das Bibliothekssystem das Leihobjekt nicht identifiziert, …
EreignisMASTeR – SOBALD <Ereignis>
So ist der EreignisMASTeR aufgebaut – klick auf die Positionen, um mehr zu erfahren:
▲ Klick auf eine Position. Oberer Pfad: DAS EREIGNIS <Ereignis> EINTRITT – die unteren Pfade enden auf einem <Verb> im Perfekt.
Sobald das Ereignis Einschalten eintritt, …
Sobald der Bibliothekar alle Kundendaten eingegeben hat, …
Sobald das Bibliothekssystem die Kundendaten vom benachbarten Bibliothekssystem empfangen hat, …
ZeitraumMASTeR – SOLANGE <Zeitraum>
So ist der ZeitraumMASTeR aufgebaut – klick auf die Positionen, um mehr zu erfahren:
▲ Klick auf eine Position. Oberer Pfad: IM ZUSTAND <Zustand> BEFINDET – die unteren Pfade enden auf einem <Verb>.
Solange sich ein Leihobjekt im Zustand Reserviert befindet, …
Solange sich das Smartphone im Zustand Inaktiv befindet, …
Solange das Bibliothekssystem die Funktion Verbindung zum benachbarten Bibliothekssystem herstellen ausführt, …
Merke: Alle Positionen können gleich sein – und die Bedingung unterscheidet sich lediglich in der Konjunktion. Das Schreiben nach Schablone ist kein stumpfsinniges Bestücken: Die gewissenhafte Auseinandersetzung mit den Inhalten einer Anforderung ist unerlässlich.
Englische Version: ConditionMASTER
LogicMASTER (IF), EventMASTER (AS SOON AS) und TimeMASTER (AS LONG AS) findest du als klickbare Schablonen im Reiter English MASTeR.
Bereit für den nächsten Schritt?
Probier dein Wissen direkt aus: Bau deine erste Anforderung im Schablonen-Baukasten, finde mit der Entscheidungshilfe die passende Schablone – oder teste dich im Trainer.
Schablonen-Baukasten: Bau deine Anforderung
Wähle eine Schablone, füll die Positionen aus – und dein Anforderungssatz entsteht live. Zum Schluss kannst du ihn mit einem Klick kopieren.
Trainer: Teste dein MASTeR-Wissen
12 Übungsaufgaben rund um Schablonen, Schlüsselwörter und Bedingungen – mit sofortigem Feedback und Erklärung. Die Fragen kommen bei jedem Durchlauf in neuer Reihenfolge.
English MASTeR: All seven templates at a glance
The official English counterparts of the MASTeR templates – a quick reference for writing specifications in English, not a second learning track. Click any position for a short explanation. For the full background, head over to the Lernstrecke. The translations transfer the semantics of the German templates rather than translating word by word.
FunctionalMASTER – functional requirements
The system shall design postcards.
The system should provide the user with the ability to search items.
The system will provide the user with the ability to print selected colored photos at the network printer.
PropertyMASTER – EigenschaftsMASTeR
EnvironmentMASTER – UmgebungsMASTeR
ProcessMASTER – ProzessMASTeR
LogicMASTER – IF <logical expression>
▲ Read the paths row by row: top row = comparison path, below it the subject-matter and actor paths.
If the number of borrowed items is greater than 10, …
EventMASTER – AS SOON AS <event>
▲ Top path: THE EVENT <event> HAPPENS – the lower paths use a process verb in present perfect.
As soon as the event switch-on happens, …
As soon as the librarian has entered all customer data, …
TimeMASTER – AS LONG AS <time period>
▲ Top path: THE/AN <object> IS IN THE STATE <state> – the lower paths use a process verb.
As long as an item is in the state reserved, …
Want the full method?
The complete brochure “MASTeR – Schablonen für alle Fälle” (German) is available for free at SOPHIST WISSEN-for-free – for English RE fundamentals, see The RE-Primer.
Quelle: „MASTeR – Schablonen für alle Fälle“, 6. Auflage 2024, © SOPHIST GmbH, Nürnberg. Dieser SMART TWIN basiert auf der WISSEN-for-free-Broschüre.
Die komplette Broschüre gibt es kostenfrei unter sophist.de · Kontakt: vertrieb@sophist.de · www.sophist.de

